<img alt="" src="https://secure.perk0mean.com/184386.png" style="display:none;">

VIDEO – Executive-Insights-Interview: Arzneimittel schützen, wo die Infrastruktur endet

 

  Sehen Sie sich das vollständige Interview an  

 

Veröffentlicht im Oktober 2026 | Autor: Martin Davis, Leading Minds Network | Foto: Lara Cooper/Direct Relief 

 

In diesem Executive-Insights-Interview des Leading Minds Network berichtet Jenifer Arellano, Logistics Manager bei Direct Relief, wie humanitäre Organisationen temperaturempfindliche Arzneimittel auch in einigen der anspruchsvollsten Umgebungen weltweit schützen. Von unzuverlässigen Transportnetzen über eine begrenzte Kühlketteninfrastruktur bis hin zu Zollverzögerungen und Einschränkungen bei der Stromversorgung: Sie erklärt, wie Resilienz, Anpassungsfähigkeit und kreative Problemlösung dafür sorgen, dass lebensrettende Medikamente die Patientinnen und Patienten erreichen, die sie so dringend brauchen.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Humanitäre Lieferketten arbeiten oft in Gebieten, in denen sich die Infrastruktur rasch verändern kann.
  • Pharmazeutische Qualitätsstandards sind unveränderlich unabhängig von Region oder Infrastruktur.
  • Real-Time-Überwachung verändert die Arbeit grundlegend und ermöglicht proaktives Eingreifen.
  • Der Einsatz von KI und Predictive Analytics ist der nächste Schritt in der Kühlkettentransparenz.
  • Gute Führung beruht auf Cross-Training, Vertrauen und eigenverantwortlichen Teams
  • Der Aufbau resilienter Healthcare-Supply-Chains kann Investitionen in lokale Infrastruktur erfordern.

 

Was geschieht, wenn lebensrettende Medikamente Patientinnen und Patienten an Orten erreichen müssen, an denen zuverlässige Transportmöglichkeiten begrenzt sind, die Stromversorgung unbeständig ist und kaum Kühlkettenkapazitäten bestehen?

Für Jenifer Arellano ist dies keine hypothetische Fragestellung. Sie ist die Realität, in der sich sie und ihr Team täglich bewegen, während sie die Lieferungen gespendeter Medikamente und medizinischer Güter in rund 90 Länder weltweit koordinieren.


Wie plant man Lieferketten, wenn Unsicherheit und Veränderungen die Regel sind?

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Gesprächs war, wie wichtig es ist, Störungen von vornherein einzuplanen, statt davon auszugehen, dass alles nach Plan verläuft.

«In der humanitären Logistik rechnen wir immer damit, dass sich etwas ändert. Dass Flüge gestrichen oder Grenzen geschlossen werden oder wir am Zielort nur eine sehr eingeschränkte Infrastruktur vorfinden», erklärte Arellano. «Wir bauen Flexibilität von Anfang an in unsere Prozesse ein.»

Arellano wies darauf hin, dass kommerzielle Lieferketten meist innerhalb etablierter Transportnetze funktionieren, dies aber in der humanitären Gesundheitslogistik oft nicht der Fall sei. «Humanitäre Logistik verlangt von Teams, sich schnell anzupassen, wenn sich die Bedingungen ändern. Routen ändern sich. Infrastruktur ist möglicherweise gar nicht vorhanden. Transportoptionen fallen oft ohne Vorankündigung weg», sagte sie.

Resilienz sei deshalb nicht einfach ein Notfallplan, sondern werde zu einer alltäglichen Arbeitsphilosophie.

 

Ist Kreativität entscheidend in der Kühlkette?

Arellano schilderte ein Beispiel einer humanitären Sendung nach Eritrea. Die üblichen Transportmöglichkeiten waren begrenzt, und bestehende Luftfrachtlösungen erwiesen sich als nicht praktikabel.

Das Team entwickelte schliesslich eine unkonventionelle multimodale Routing-Strategie, die Luft- und Seetransport kombinierte, um die Produktintegrität zu erhalten und zugleich die Infrastruktur- und Transportbeschränkungen zu überwinden. Nach klassischen kommerziellen Massstäben war dies nicht die kosteneffizienteste Lösung, aber sie stellte sicher, dass die Medikamente die Patientinnen und Patienten sicher erreichten.

Solche Beispiele verdeutlichen den entscheidenden Unterschied zwischen Effizienz und Wirksamkeit.

Führungskräfte in der humanitären Logistik arbeiten häufig in einem Umfeld, in dem sich Erfolg weniger an Optimierung misst als an der Fähigkeit, Probleme spontan zu lösen, wenn Standardlösungen nicht verfügbar sind.


Original Uganda Cancer Institute2
1  Lagermitarbeiterin prüft ein verpacktes Produkt zwischen Lagerregalen und Versandkartons in einem Lagerbereich. Foto: David Uttley/Direct Relief  
Original DR cold room
2 Gabelstapler fährt zwischen Lagerregalen mit Kartons und Warenbeständen in einem Distributions- bzw. Logistikzentrum. Foto: Lara Cooper/Direct Relief

 

Qualitätsstandards in der pharmazeutischen Kühlkette sind nicht verhandelbar

Eine besonders wichtige Erkenntnis aus dem Gespräch betraf die Themen Qualität und Compliance.

«Wir dürfen unsere Standards nicht senken, nur weil wir in schwierigen Umgebungen arbeiten», sagte Arellano. «Der Qualitätsstandard ist nicht verhandelbar.»

Statt Einschränkungen in der Infrastruktur hinzunehmen, arbeitet Direct Relief proaktiv mit Partnern daran, Kapazitäten aufzubauen, die pharmazeutische Qualitätsanforderungen unterstützen. Dazu gehören solarbetriebene Kühlsysteme, Batterie-Backup-Technologien, Kühllagerinfrastruktur und weitere Ressourcen, die eine sichere Lagerung von Medikamenten auch in abgelegenen Regionen ermöglichen.

Die Botschaft ist für Verantwortliche in Pharma, Healthcare und Logistik weltweit hochrelevant: Qualitätsstandards sind unveränderlich – unabhängig von Region oder Umständen.

 

Wie schaffen neue Technologien durchgängige Transparenz?

Das Gespräch beleuchtete auch neue Entwicklungen, die die Zukunft der Gesundheitslogistik prägen. Arellano hob hervor, welchen erheblichen Einfluss Real-Time-Temperaturüberwachung bereits heute auf humanitäre Lieferketten habe.

«Zu wissen, wo sich eine Sendung befindet und unter welchen Bedingungen sie gelagert wurde, ermöglicht es uns, einzugreifen und Temperaturabweichungen zu verhindern, die sonst zu Produktverlusten führen würden», erklärte sie.

 

Real-Time-Transparenz beschleunigt die Produktfreigabe, weil Verzögerungen entfallen.

Arellano wies darauf hin, dass viele Verzögerungen, die durch das manuelle Auslesen, Prüfen und Weitergeben von Temperaturdaten nach Ankunft der Sendung entstehen, vermieden werden könnten.

Mit Blick nach vorn sieht sie Predictive Analytics als nächsten grossen Entwicklungsschritt. «Real-Time-Überwachung sagt Ihnen, wenn etwas schiefläuft. Predictive Analytics hilft zu erkennen, wo Ihre Aufmerksamkeit gefragt sein wird, bevor daraus ein Problem wird.»

 

Führung unter Druck

Trotz aller Fortschritte bei Transparenz, Daten und Automatisierung kam Arellano immer wieder auf ein Thema zurück: Den Unterschied machen die Menschen. Ihre Führungsphilosophie beruht auf den zwei Säulen Ausbildung und Vertrauen: «Wenn Menschen gut ausgebildet sind, muss man ihnen auch zutrauen, die notwendigen Entscheidungen zu treffen.»

 

 Cross-Training, Wissensaustausch und eigenverantwortliche Teams sind unverzichtbar in einem Umfeld, in dem sich die Rahmenbedingungen schnell ändern können. 

Eine widerstandsfähige Organisation entsteht nicht allein durch Technologie, sondern durch Menschen, die das Selbstvertrauen und die Befugnis haben, zu handeln, wenn sich Pläne ändern.

 

Eine Lektion für alle Supply-Chain-Verantwortlichen

Auch wenn sich das Gespräch auf humanitäre Healthcare-Logistik konzentrierte, lassen sich viele der Erkenntnisse ebenso auf kommerzielle Pharma- und Life-Sciences-Unternehmen übertragen.

Resilienz bedeutet laut Arellano nicht, perfekte Pläne zu erstellen. Es gehe darum, Teams, Systeme und Prozesse so vorzubereiten, dass sie sich schnell anpassen können, wenn sich die Bedingungen unweigerlich ändern.

«Humanitäre Logistik ist weit mehr, als Kisten von einem Ort an einen anderen zu bringen. Es geht darum, resiliente Systeme aufzubauen, Probleme zu lösen, wenn die erwarteten Lösungen nicht verfügbar sind, und Menschen zu befähigen, unter schwierigen Umständen gute Entscheidungen zu treffen», ist ihr Fazit.

Letztlich, so Arellano, führe jede Entscheidung auf dieselbe Mission zurück: Sicherstellen, dass das Medikament sicher bei den Menschen ankommt, die es brauchen.

Leave a Comment

From Other Categories

Mehr News